1. Sonntag: "Kill your darlings!" Echt jetzt...?

Aktualisiert: 16. Jan.

Einen wichtigen Aspekt habe ich übersehen, als ich geplant habe den Druck aus dem Projekt zu nehmen: Den Kampf um die Entscheidung für "das eine Foto" des Tages. Brauchen wir den?

Dieser erste Sonntag meines Projektes ist erst der 2. Tag im Jahr. Eigentlich hatte ich eben deswegen an dieser Stelle mit einem 2-Zeiler gerechnet. Das wird nix...

Dieses Bild hier oben ist von unserem Neujahrs-Spaziergang. Wir hatten zum Neujahrstag so sehr Bock auf einen Donut wie diese Kids hier auf eine Pizza. Der Royal Donut in Ratingen hatte zu. So sind wir ein bisschen durch das benachbarte Düsseldorf gestapft. Das hier oben ist dann von mir als "das Bild des Tages" gekürzt worden. Spannenderweise hat mich nicht die Kulisse oder die Szene allein angesprochen, sondern die Kombination aus einem Sekunden zuvor mitgehörten Gespräches über den guten, alten Alf und der Tatsache, dass Alf Pizza liebte. Die 2. Folge hies sogar "Die Nacht, in der die Pizza kam", wenn ich mich recht erinnere. Wenn meine Gedanken so weit auf Reisen gehen, dann weiss ich, dass ich der Entspannung nahe komme. Mochte ich! Kannst Du das nachvollziehen? Ich hatte jedenfalls dieses eine Bild, eine schöne Gedankenwelt drumherum und war zufrieden...

"Ich hatte jedenfalls dieses eine Bild und...." Wie lange wird das gut gehen? Keine 24 Stunden! :-) Heute ist Sonntag, der 02. Dezember 2022. Ich habe mir zum ersten Mal Zeit und Raum genommen und die Bilder der Woche, besser gesagt der ersten 2 Tage angesehen. "Kill your Darlings" ist einer der Lieblingssätze von Thomas - im Rahmen der klassischen oder auch zeitgemäßen Reportagefotografie bestimmt ein Tipp, der die Redaktionen für die ich ggf. fotografiere freuen wird. Aber hier? In einem Projekt, dass von Freiheit erzählt? Macht es Sinn, in einem drucklosen Projekt, dass im Prinzip eine gigantische, immer anhaltende Achtsamkeitsübung ist, diesen Kampf der Entscheidung zu kämpfen? Vorgestern noch habe ich mir im ersten Blogbeitrag genau dieses Wort verboten. Kämpfen... Ne das macht nun wirklich keinen Sinn. Kein Killen, kein Kämpfen. Dieser 2. Tag bot viel mehr. Während unseres wundervollen Morgenspaziergangs durch "unser Paradies hinterm Haus" stellten wir schnell fest, dass der Abend zuvor in Düsseldorf zwar mal wieder sehr schön war, wir aber im Herzen mehr in diese ruhige Welt hier draussen gehören:

Die kleinen und großen Beobachtungen hier (die, wenn man sie alle fotografieren wollen würde, fast wieder zum Stress werden könnten) tun so gut. Neben diesen beiden ländlichen Linien hier (der Weg links die Weide hoch und der halb rechts in den Wald hinein) hatten wir noch viele winterliche Vogelbegegnungen und ein paar spannende Momente an einer riesigen, uralten Buche. Da erahnte ich bereits, dass dieser "Kampf" der Auswahl auf mich zu kommen würde. "Welches Bild wird jetzt das Bild des Tages?" Als wir dann noch zu meiner Mum kamen, einen Kaffee lang nur, zerbrach dieser Gedanke an das eine Bild vollends: Ich entdeckte an der Deckenlampe im Wohnzimmer, die wie die alte Holzdecke auch, seit den 1960er Jahren dort hängt, einen kleinen Engel. "Der hängt schon ewig da" hat sie mir versichert... Das hat mir zu denken gegeben. Ich habe überlegt, wie aufmerksam ich wirklich durchs Leben gehe. Klar, man kann mal was übersehen. Aber so lange? Ich habe jetzt noch mehr Lust auf dieses Projekt, weil ich feststelle, dass ich schon am 2. Tag wieder genauer hinschaue! Mehr wahrnehme, obwohl ich eh schon immer die Antennen weit draussen habe. Das wird ein spannendes Jahr - sicherlich ganz ohne den Kampf um dieses eine Foto. Am Ende mehr zu haben, wovon auch immer, hat bisher selten geschadet. Das hier sind übrigens Lampe, Decke und Engel:

Voller Spannung auf dieses Jahr und unser Projekt, die anstehende Community von Fotografie tut gut und die Dinge, die DU erleben wirst, wünsche ich Dir jetzt einen schönen Sonntagabend oder eine schöne Zeit, wann immer Du das hier lesen wirst. Bis nächsten Sonntag! Herzlich, Falk


Technik-Infos